„Übergang Schule-Beruf“ – was sagen die Parteien? WAHLPRÜFSTEINE des stja
Der Übergang von der Schule in den Beruf ist eine der zentralen Schnittstellen im Leben junger Menschen. Die Politik auf Landesebene beeinflusst im Rahmen der Bildungspolitik als auch bei der Unterstützung der Kommunen dieses Thema nachhaltig. Der Fachbereich Bildung und Beruf des Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe hat die Parteien in Form von Wahlprüfsteinen zu ihrer Haltung zum Themenfeld „Übergang Schule-Beruf“ befragt und folgende Antworten erhalten (bitte auf die Fragen klicken):
1) Es ist kein Geheimnis – das Bildungssystem in Deutschland ist marode. Gute Bildung und ein Schulabschluss sind wichtige Meilensteine auf dem Weg in eine Ausbildung. Gleichzeitig können Jugendliche nicht warten, bis Gesetze und Verordnungen angepasst werden. Was werden Sie konkret tun, damit sich das Bildungssystem spürbar im ersten Jahr Ihrer Regierungsbeteiligung verbessert?
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
An verschiedenen Stellen in unserem Bildungssystem ist schnelles Handeln gefordert. Im Bereich der frühkindlichen Bildung werden wir mit Hochdruck sicherstellen, dass die Kita für alle Familien in Baden-Württemberg bezahlbar bleibt. Wir wollen zeitnah dafür sorgen, dass Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schulformen spürbar entlastet werden – zum Beispiel durch mehr Assistenzkräfte und Entlastungsstunden, damit sie mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben: Die Entwicklung der Schüler*innen zu fördern. Außerdem wollen wir als Land in Zeiten angespannter kommunaler Haushalte die Zuschüsse für die Schulsozialarbeit zügig erhöhen, um für bessere Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche zu sorgen. Genauso werden wir mit einer überarbeiteten Schulbauförderung den Kommunen zeitnah ermöglichen, Neubauten oder Sanierungsmaßnahmen z.B. in Schultoiletten oder Klassenräumen schneller und unbürokratischer anzugehen.
CDU
Unser Regierungsprogramm setzt klare Prioritäten: mehr Unterricht, mehr Bildungsqualität, weniger Bürokratie. Im ersten Jahr werden wir die Unterrichtsversorgung über flexible Lehrerzugänge verbessern, Schulen von Verwaltungsaufgaben entlasten und den Digitalpakt Baden‑Württemberg starten. Wir werden zudem gezielt in Sanierung und moderne Lehr- und Lernmittel investieren. Unser Anspruch bleibt: Leistung stärken, Chancen sichern und Schulen wieder zu Orten machen, an denen Lernen gelingt.
Die Linke
Um die desolaten Zustände an unseren Schulen schnell spürbar zu beheben, fordern wir als Sofortmaßnahme ein Sondervermögen für Bildung in Höhe von 100 Milliarden Euro auf Bundesebene. Damit wollen wir eine Einstellungsoffensive für mehr Lehrkräfte, Erzieherinnen und Schulsozialarbeiterinnen finanzieren und den massiven Sanierungsstau beenden. Zudem setzen wir uns zeitnah für eine vollständige Lernmittelfreiheit inklusive digitaler Endgeräte sowie ein kostenfreies, gesundes Mittagessen ein. Langfristig wollen wir das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern aufheben, um eine dauerhafte und gute Bildungsfinanzierung als Gemeinschaftsaufgabe zu sichern.
FDP
Im ersten Jahr würde ich drei Dinge sofort angehen. Erstens den Datenschutz praxisnah gestalten, damit Schulen rechtssicher moderne Bildungssoftware einsetzen können, denn wir verlieren durch Unsicherheit wertvolle Zeit. Zweitens eine landesweite Basiskompetenz-Offensive in Deutsch, Wirtschaft und Philosophie, um Leistungsfähigkeit, Eigenverantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Drittens einen konsequenten Bürokratieabbau für Lehrkräfte, damit wieder mehr Zeit für Unterricht und individuelle Förderung bleibt. Bildung darf nicht am System scheitern.
Freie Wähler
Im ersten Jahr würde ich Initiativen zur Reduzierung von Klassenstärken und zur Stärkung der Berufsorientierung starten, multiprofessionelle Teams an Schulen fördern und gemeinsam mit Kommunen passgenaue Programme entwickeln, damit Schule nicht nur Wissen vermittelt, sondern Anschlussfähigkeit und Chancen am Ausbildungsmarkt erleichtert – ganz im Sinne einer pragmatischen, bürgernahen Bildungspolitik
SPD
Wenn das Haus brennt, können wir nicht erst einen neuen Bauplan zeichnen – wir müssen löschen. Im ersten Jahr unserer Regierungsbeteiligung würde ich den Fokus komplett auf die Entlastung der Lehrkräfte legen, denn sie sind am Limit. Konkret: Wir können per Sofortmaßnahme Verwaltungsfachkräfte und IT-Personal an die Schulen holen, damit Lehrerinnen und Lehrer wieder das tun können, wofür sie ausgebildet sind: unterrichten und pädagogisch arbeiten. Zweitens brauchen wir ein Sofortprogramm für den Ausbau von multiprofessionellen Teams. Wenn wir Schulsozialarbeiter, Erzieher und Psychologen direkt in den Schulalltag integrieren, entspannt das die Lage in den Klassenzimmern sofort und spürbar – ganz ohne jahrelange Gesetzesänderungen.
2) Zur Ausbildungsreife gehört auch die mentale Gesundheit. Viele Jugendliche haben schon zu Schulzeiten psychische Probleme und finden keinen Therapieplatz. Was werden Sie konkret tun, damit kurzfristig mehr Therapieplätze für Jugendliche zur Verfügung stehen?
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Grundsätzlich wollen wir mit präventiven Ansätzen dafür sorgen, dass wir die mentale Gesundheit von Schülerinnen mit besseren Beratungs- und Gruppenangeboten, mehr Schulpsychologinnen sowie der Verankerung von Lerninhalten zur Stressbewältigung und Selbstregulation allgemein stärken, bevor außerschulische Therapieplätze notwendig werden. Um mehr Therapieplätze für Jugendliche zu erreichen, wollen wir uns als Land bei der Bundesregierung für eine Reform der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Bedarfsplanung mit einer gesonderten Beplanung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung einsetzen. In der Zwischenzeit wollen wir die sozialpsychiatrischen Dienste und den Krisen- und Notfalldienst stärken, um lange Wartezeiten zu überbrücken. Auch digitale Angebote für Akutbehandlungen und Gruppentherapien per Video können dazu einen Beitrag leisten.
CDU
Die CDU will die psychische Gesundheit junger Menschen verbindlich im Gesundheits- und Bildungssystem verankern. Wir werden zusätzliche Kassensitze schaffen, Wartezeiten über digitale Anlaufstellen reduzieren und Schulsozialarbeit sowie Präventionsprogramme ausbauen. Unser Regierungsprogramm sieht außerdem eine engere Verzahnung von Schulen, Jugendämtern und dem Gesundheitswesen vor. Ziel ist ein schneller, wohnortnaher Zugang zu Hilfe – unbürokratisch und verlässlich.
Die Linke
Die psychische Gesundheit junger Menschen ist uns ein zentrales Anliegen, weshalb wir die völlig veraltete Bedarfsplanung der Krankenkassen grundlegend überarbeiten wollen, um zeitnah mehr Kassensitze und Therapieplätze zu schaffen. Um in akuten Krisen sofort zu helfen, fordern wir den flächendeckenden Ausbau niedrigschwelliger, psychosozialer Beratungsangebote und kommunaler Krisendienste, die als „Türöffner“ für weitere Hilfen dienen. Gleichzeitig müssen Therapie- und Unterstützungsangebote direkt in der Lebenswelt der Jugendlichen ansetzen, wofür wir Schulsozialarbeit und Schulpsycholog*innen an jeder einzelnen Schule garantieren wollen.
FDP
Der nachhaltigste Weg zu besserer mentaler Gesundheit ist eine Politik, die Perspektiven schafft statt Ängste verstärkt. Viele junge Menschen erleben durch Kriege, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen enorme Unsicherheit, und das hinterlässt Spuren. Deshalb braucht es politische Orientierung, wirtschaftliche Stabilität und echte Aufstiegschancen. Junge Menschen müssen wieder spüren, dass ihre Zukunft gestaltbar ist. Mentale Gesundheit entsteht nicht nur im Therapieraum, sondern auch durch Hoffnung, Zugehörigkeit und reale Chancen.
Freie Wähler
Kurzfristig will ich die Koordination zwischen Landesgesundheitswesen, Schulpsychologie und Jugendhilfe verbessern und bestehende Ressourcen umschichten, um Wartezeiten zu verkürzen. Außerdem setze ich mich für eine Landesinitiative ein, die gemeinsame Stellen an Schulen und in Beratungsnetzwerken schafft, damit psychologische Unterstützung direkt dort zur Verfügung steht, wo sie gebraucht wird.
SPD
Es muss sich dringend ändern, dass Jugendliche monatelang auf der Warteliste für eine Therapie stehen, während ihre Welt zusammenbricht. Da die Kassensitze für Psychotherapeuten vom Bund und den Krankenkassen geregelt werden, müssen wir als Land pragmatische Überbrückungen schaffen. Konkret werde ich mich dafür einsetzen, niederschwellige Anlaufstellen (Drop-in-Center) nach Vorbildern wie „Headspace“ in den Kommunen aufzubauen. Dort können Jugendliche ohne bürokratische Hürden, ohne Diagnose und ohne monatelange Wartezeiten psychologische Erstberatung bekommen. Außerdem müssen wir die Zahl der Schulpsychologen im Land sofort und drastisch erhöhen. Die Schule ist der Ort, an dem wir alle erreichen – dort muss die Hilfe ansetzen.
3) Die Berufsschulpflicht gilt in der Regel bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres, ist aber vorzeitig erfüllt, wenn ein Schuljahr im Übergangsbereich der beruflichen Schule absolviert wurde. Dadurch fallen Jugendliche bereits mit 16 oder 17 Jahren ohne Schulabschluss aus dem System. Wie stehen Sie zur Einführung einer Berufsschulpflicht bis 18 ohne eine solche Ausnahme?
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Der Schulabschluss und eine Berufsausbildung sind entscheidend, um später einen auskömmlichen und sinnstiftenden Arbeitsplatz zu haben. Daher ist unser Ziel, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Schulabschluss erlangen. Wir wollen die Berufsschulpflicht ausdehnen. Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnis sollen bis zur Vollendung des zwölften Schulbesuchsjahrs berufsschulpflichtig werden. Jugendliche in einem Ausbildungsverhältnis sollen bis zum Ende des Schuljahres, in dem sie das 21. Lebensjahr vollenden, berufsschulpflichtig sein.
CDU
Im Sinne unseres programmatischen Grundsatzes „Kein Jugendlicher darf verloren gehen“ sprechen wir uns für eine konsequente Berufsschulpflicht bis 18 aus. Sie bietet Struktur, stärkt Basiskompetenzen und verhindert, dass Jugendliche ohne Abschluss wegbrechen. Ausnahmen sollen nur in gut begründeten Härtefällen möglich sein. Damit setzen wir klare Regeln, aber ermöglichen jedem jungen Menschen einen geregelten Übergang in Ausbildung und Beschäftigung.
Die Linke
Wir wollen das Maßnahmensystem im sogenannten Übergangsbereich, in dem Jugendliche allzu oft nur geparkt werden, zugunsten einer echten und vollqualifizierenden Ausbildungsgarantie überwinden. Jede und jeder Jugendliche muss das Recht auf eine gute Ausbildung haben, unabhängig von schulischen Leistungen, weshalb wir Betriebe über eine Ausbildungsumlage stärker in die Pflicht nehmen wollen. Eine konsequente Berufsschulpflicht bis 18 Jahre ist aus unserer Sicht dann sinnvoll und richtig, wenn sie mit einer garantierten Ausbildungsperspektive einhergeht, statt junge Menschen ohne Abschluss aus dem System fallen zu lassen.
FDP
Keine Antwort
Freie Wähler
Eine starre Beendigung der Berufsschulpflicht mit 18 halte ich für nicht realitätsgerecht. Es gibt Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit erheblichem Unterstützungsbedarf – diese einfach aus dem System fallen zu lassen, verschärft Probleme, statt sie zu lösen. Statt starrer Altersgrenzen brauchen wir flexible, individuelle Lösungen mit klarer Perspektive auf Abschluss oder Ausbildung.
SPD
Es darf nicht sein, dass Jugendliche mit 16 oder 17 Jahren quasi durchs Raster fallen und unbegleitet aus dem Bildungssystem ausscheiden, nur weil sie ein Jahr im Übergangsbereich absolviert haben. Das ist ein Schnellzug in die Perspektivlosigkeit. Die Schulpflicht bis 18 ist für mich kein Zwang, sondern ein Schutzraum. Wir sind als Gesellschaft in der Pflicht, diese jungen Menschen so lange zu begleiten, bis sie einen echten Abschluss oder einen festen Ausbildungsplatz haben. Niemand darf einfach so „verloren gehen“. Wichtig ist v.a. eine gezielte Unterstützung bei der Suche nach einer passenden Ausbildung und einem entsprechenden Betrieb.
4) Werden Sie zusätzliche Mittel für den Bildungsgang AVdual bereitstellen, ohne Fördermittel für Kinder und Jugendliche an anderen Stellen zu kürzen?
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
AVdual hat sich als Bildungsgang mit einer sehr hohen Vermittlungsquote in eine betriebliche Ausbildung als sehr erfolgreich bewährt. In Karlsruhe konnten wir die Fortführung von AVdual zuletzt trotz schwieriger städtischer Haushaltslage in vollem Umfang sichern. Das darf künftig aber nicht mehr von der Haushaltslage der Kommunen in Baden-Württemberg abhängig sein. Daher wollen wir AVdual als Land künftig mit zusätzlichen finanziellen Mitteln stärker und dauerhaft fördern, ohne dabei an anderer Stelle das Angebot für Kinder und Jugendliche zu reduzieren.
CDU
Die CDU bekennt sich im Regierungsprogramm klar zur Stärkung der beruflichen Schulen und Übergangsprogramme. Wir wollen AVdual dauerhaft absichern und die Finanzierung fair zwischen Land und Kommunen verteilen. Der hohe Nutzen von AVdual – individuelle Begleitung, klare Berufsorientierung und bessere Einstiegschancen – rechtfertigt aus unserer Sicht zusätzliche Landesmittel. Dabei gilt das CDU‑Prinzip: Investitionen in junge Menschen dürfen nicht zulasten anderer Kinder- und Jugendangebote gehen.
Die Linke
Wir setzten uns grundsätzlich für eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen und des Bildungssystems ein, damit passgenaue Förderangebote niemals auf Kosten anderer wichtiger Jugendmaßnahmen gehen. Wir fordern ein massives Investitionsprogramm, um die Kommunen bei der Finanzierung solcher Begleitangebote am Übergang in den Beruf spürbar zu entlasten. Unser langfristiges Ziel bleibt jedoch, den Übergangsbereich durch gut begleitete, echte Ausbildungsverhältnisse für alle Jugendlichen schrittweise überflüssig zu machen.
FDP
Wenn Programme wie AVdual nachweislich wirken, müssen wir sie verlässlich finanzieren. Gleichzeitig braucht es klare Wirkungsmessung statt Automatismus. Mittel sollten gebündelt werden, statt immer neue Fördertöpfe zu eröffnen. Wir geben viel Geld für Bildung aus, entscheidend ist jedoch die Wirksamkeit. Gute Programme verdienen Stabilität, aber auf Basis von Transparenz und Ergebnissen.
Freie Wähler
Ja, ich würde zusätzliche Mittel für den Bildungsgang AV-Dual bereitstellen, ohne bestehende Fördermittel für Kinder und Jugendliche an anderen Stellen zu kürzen. Hier müssen die Voraussetzungen für individuelle Förderungen mit mehr Ressourcen geschaffen werden. Die Finanzierung muss aus dem Landeshaushalt kommen – Kommunen dürfen damit nicht weiter belastet werden –, um jungen Menschen echte Chancen auf Ausbildungszugänge zu geben.
SPD
Das Programm AVdual leistet herausragende Arbeit. Dass die Fördersätze seit 10 Jahren nicht an die Inflation und die steigenden Personalkosten angepasst wurden, ist eine schlechte Entscheidung der grün-schwarzen Landesregierung. Wir werden zusätzliche Landesmittel bereitstellen, um die Finanzierung von AVdual dauerhaft und bedarfsgerecht zu sichern. Und ganz wichtig: Bildung und Jugendhilfe dürfen niemals gegeneinander ausgespielt werden. Wir kürzen nicht bei den Kleinsten, um die Älteren zu finanzieren. Das Geld dafür muss durch klare Prioritätensetzung im Landeshaushalt (z.B. durch Umschichtungen aus teuren Prestigeprojekten) generiert werden.
5) Mit welchen Maßnahmen möchten Sie eine Beständigkeit von Unterstützungsprogrammen fördern?
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Projektfinanzierungen sind aus unserer Sicht grundsätzlich ein wichtiges Instrument, um innovative Ansätze zu erproben, neue Konzepte zu entwickeln und auf gesellschaftliche Veränderungen flexibel reagieren zu können. Gleichzeitig sehen wir, dass sich bewährte Projekte in der Praxis oft als dauerhaft notwendig erweisen und deshalb alle Beteiligten mehr Planungssicherheit brauchen. Wir wollen daher auf Landesebene darauf hinwirken, erfolgreich evaluierte Unterstützungsprogramme bei nachgewiesenem Bedarf in eine verlässliche, dauerhafte Finanzierung zu überführen. Ziel ist es, gute Ansätze nicht immer wieder neu beantragen zu müssen, sondern sie institutionalisiert im Landeshaushalt zu verankern. So verbinden wir Innovationsfähigkeit mit langfristiger Stabilität für die betroffenen Träger, Kommunen sowie die Menschen, die von den Angeboten Gebrauch machen.
CDU
Unser Regierungsprogramm stellt klar: Erfolgreiche Programme brauchen Dauer, nicht nur Projektlogik. Deshalb wollen wir Förderlinien verstetigen, Verfahren vereinfachen und Kommunen verlässlich unterstützen. Besonders präventive und übergangsorientierte Angebote sollen in Regelförderung übergehen, wenn ihre Wirksamkeit nachgewiesen ist. So schaffen wir Planungssicherheit für Träger – und echte Perspektiven für Jugendliche.
Die Linke
Wir setzen uns konsequent für den Wechsel von kurzfristigen Projektfinanzierungen hin zu einer dauerhaften und verlässlichen Regelfinanzierung für Angebote der sozialen Arbeit und der Kinder- und Jugendhilfe ein. Solche Unterstützungsprogramme sind eine gesellschaftliche Daueraufgabe und dürfen nicht von den oft prekären Haushaltslagen der Kommunen abhängig sein. Auf Landesebene fordern wir deshalb eine auskömmliche strukturelle Finanzierung und wollen beispielsweise die offene und verbandliche Jugendarbeit über den Landesjugendplan voll und dauerhaft absichern.
FDP
Wir brauchen weniger kurzfristige Modellprojekte und mehr strukturelle Stabilität. Programme sollten gebündelt und Förderzyklen verlängert werden, um Planungssicherheit zu schaffen. Klare Erfolgskennzahlen müssen darüber entscheiden, welche Programme dauerhaft finanziert werden. Was wirkt, gehört in die Regelfinanzierung. Verlässlichkeit entsteht durch Struktur, nicht durch ständig neue Anträge.
Freie Wähler
Unterstützungsprogramme brauchen dauerhafte, planbare Finanzierungswege statt kurzfristiger Projektlogik. Ich setze mich dafür ein, erfolgreiche Programme nach ihrer Evaluation in die Regelfinanzierung zu überführen, klare Erfolgskriterien festzulegen und Kommunen bei der langfristigen Implementierung systematisch zu unterstützen, um Kontinuität statt Willkür zu schaffen.
SPD
Diese ständige „Projektitis“ macht gute und nachhaltige soziale Arbeit kaputt. Träger können nicht langfristig planen und hervorragende Fachkräfte wandern ab, weil sie nur befristete Verträge bekommen. Wir wollen als SPD einen Systemwechsel: Von der Projektfinanzierung zur Regelfinanzierung. Wenn ein Modellprojekt (wie z.B. bestimmte Mentoring-Programme am Übergang Schule-Beruf) erfolgreich evaluiert wurde, muss es nach spätestens drei Jahren automatisch in eine feste Regelfinanzierung des Landes überführt werden. So schaffen wir Verlässlichkeit für die Kommunen, Planungssicherheit für die Träger und vor allem dauerhafte Bezugspersonen für die Jugendlichen.
6) Wenn Sie 5 Millionen Euro zur freien Verfügung hätten – was würden Sie damit machen? Was würden Sie persönlich in Baden-Württemberg damit unterstützen?
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Während wir im sozialen oder Bildungsbereich tagtäglich um die Finanzierung verschiedener Projekte und Institutionen der öffentlichen Daseinsvorsorge ringen, werden an anderer Stelle durch Finanzkriminalität wie Cum-Ex oder Cum-Cum jährlich hohe Milliardensummen an Steuergeldern hinterzogen, die so in den öffentlichen Haushalten von Bund, Ländern und Kommunen fehlen. Daher würden wir persönlich die 5 Millionen Euro in eine bessere personelle und digitale Ausstattung der Steuerfahndung und Finanzverwaltung in Baden-Württemberg investieren. So können wir Finanzkriminalität effektiver bekämpfen und mit einem verhältnismäßig geringen Betrag hohe Milliardensummen von Kriminellen zurückfordern, die dann an anderer Stelle z.B. in Schulen, soziale Einrichtungen oder Zukunftsinvestitionen fließen können.
CDU
Ich würde die Mittel entlang unserer Schwerpunktziele einsetzen: Stärkung der Schulsozialarbeit und psychischen Gesundheit, Modernisierung beruflicher Schulen sowie Ausbau regionaler Übergangs- und Matchingprogramme zwischen Jugendlichen und Betrieben. Baden‑Württemberg lebt von einem starken Mittelstand – darum müssen wir Jugendliche früh und wirksam auf Ausbildung vorbereiten. Jeder Euro, der jungen Menschen Orientierung und Chancen gibt, sichert die Zukunft unseres Landes.
Die Linke
Antwort 1: Mit 5 Millionen würde ich die Mobile Spieleaktion des stja weiter ausbauen um Kindern ein wohnortnahes Freizeitprogramm zur Verfügung zu stellen
Antwort 2: Ich würde mit 5 Millionen flächendeckend kostenlose Hygieneprodukte in allen weiterführenden Schulen und Hochschulen anbieten.
FDP
Ich würde die fünf Millionen Euro strategisch einsetzen, nicht einfach verteilen. Mein Ziel wäre ein landesweiter Bildungs- und Lerninnovationspark in Baden-Württemberg. Dort könnten neue Lernsoftware, innovative Konzepte und wissenschaftliche Begleitung systematisch zusammengeführt werden. Erfolgreiche Modelle würden schnell in die Fläche gebracht. Baden-Württemberg kann Vorreiter für modernes und evidenzbasiertes Lernen werden.
Freie Wähler
Ich würde das Geld in passgenaue Übergangsteams investieren, die Jugendliche individuell begleiten – schulisch, berufsorientierend und sozial – und eng mit Betrieben vernetzt sind, um echte Ausbildungsplätze zu schaffen. Zusätzlich würde ich in eine landesweite Stärkung der schulischen Beratungsstrukturen investieren, um junge Menschen mit Unterstützungsbedarf frühzeitig und wirksam zu fördern.
SPD
5 Millionen Euro sind im Landeshaushalt kein großer Posten, aber man kann damit einen gigantischen Impuls setzen. Ich würde dieses Geld nutzen, um in Baden-Württemberg ein landesweites Pilotprojekt für „Zukunftshäuser für Jugendliche“ (One-Stop-Shops) aufzubauen – zunächst in fünf ausgewählten Landkreisen mit besonders hohen Abbruchquoten. Das wären Orte, an denen alles unter einem Dach passiert: Mentale Erste Hilfe (Psychologen), Job-Coaching, Schuldnerberatung und Nachhilfe. Keine Termine, keine Ämter-Atmosphäre, sondern ein offener Ort mit Streetworkern und Profis. Oft scheitert der Ausbildungsstart ja nicht an der Intelligenz, sondern daran, dass Jugendliche familiäre Krisen haben, sich im Behördendschungel verirren oder schlicht mental erschöpft sind.
Die Befragung wurde vom Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe durchgeführt. Die Antworten sind in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Die Parteien sind für die Inhalte ihrer Antworten selbst verantwortlich.