Der Übergangssektor soll Jugendliche dabei unterstützen, sich beruflich zu orientieren, ausbildungsrelevante Kompetenzen zu erwerben und damit den Weg in eine Ausbildung zu schaffen. Aber nur zwei Drittel der jungen Menschen gelingt innerhalb von drei Jahren der Übergang in eine vollqualifizierende Ausbildung. Die neue Studie der Bertelsmann Stiftung hat junge Menschen, Fachkräfte und Leitungen befragt – und daraus folgende 10 Reform-Empfehlungen identifiziert:
1. Berufsorientierung praxisnah und verbindlich
Berufsorientierung muss rechtzeitig, regelmäßig und praxisorientiert erfolgen sowie mit konkreten Angeboten verknüpft sein, z. B. Bewerbungstrainings, Vorstellungsgespräche, Betriebspraktika und Übergangsplanung.
2. Vom Maßnahmensystem zur individuellen Begleitstruktur
Feste Ansprechpersonen sollen junge Menschen rechtskreisübergreifend begleiten – mindestens bis zum erfolgreichen Ausbildungsstart, idealerweise bis zum Ausbildungsabschluss.
3. Qualität vor Preis und langfristige Finanzierung
Übergangsangebote benötigen eine Regelfinanzierung. Die Vergabe von Maßnahmen an Träger sollte sich stärker an Fachlichkeit, Kontinuität, Übergangserfolg und dem Ermöglichen tragfähiger Beziehungen orientieren – nicht am niedrigsten Preis.
4. Flexible Angebote mit neuer Übersichtlichkeit
Starre Formate passen nicht zu den unterschiedlichen Lebenslagen junger Menschen. Notwendig
sind modulare, aufeinander aufbauende Bausteine, die individuelle Bedarfe und Entwicklungsschritte
berücksichtigen.
5. Anschlussorientierung als zentrales Ziel
Nicht formale Abschlüsse oder die Teilnahme an Angeboten, sondern der erfolgreiche Wechsel in Ausbildung und Beruf bzw. sinnvolle nächste Schritt zu diesem Ziel müssen der zentrale Maßstab für Schulen und das Übergangssystem sein.
6. Erprobungsräume ohne Leistungsdruck
Junge Menschen brauchen Möglichkeiten, berufliche Interessen praktisch zu erproben, Selbstvertrauen aufzubauen und Perspektiven ohne Entscheidungs-, Bewertungs- oder Leistungsdruck zu entwickeln.
7. Lokale Verantwortungsgemeinschaften mit klarer Steuerung
Kommunen bzw. lokale Netzwerke sollten die Koordination des Übergangs mit verbindlichen Rollen für Schule, Jugendhilfe, Arbeitsverwaltung, Jobcenter, Träger, Kammern und Betriebe übernehmen. Jugendberufsagenturen müssen so weiterentwickelt werden, dass junge Menschen abgestimmt und aus einer Hand begleitet werden.
8. Verbindliche Einbindung von Betrieben
Reformen müssen Betriebe stärker einbinden und dabei unterstützen, auch junge Menschen mit höherem Begleitbedarf erfolgreich auszubilden. Notwendig sind feste Ansprechpersonen, realistische Anforderungen, potenzialorientierte Auswahlverfahren und gute Praktika.
9. Psychosoziale Unterstützung als Regelaufgabe
Psychische Belastungen, familiärer Druck und gesundheitliche Einschränkungen bei jungen Menschen nehmen zu. Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung gelingen nur, wenn Stabilisierung als Regelaufgabe des Übergangssystems und nicht als Zusatzaufgabe einzelner Fachkräfte verstanden wird.
10. Abbau struktureller Zugangsbarrieren
Über die Weiterentwicklung der Strukturen und Angebote des Übergangssektors hinaus müssen strukturelle Zugangsbarrieren des Ausbildungsmarkts abgebaut und zusätzliche anschlussfähige Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Die ganze Studie können Sie hier nachlesen.